Eine neue, sehr persönliche Kolumne über das WeiterMACHEN – und die Kraft, die im Kreativsein steckt. Ich zeige, wie dir kleine (und Stück für Stück wieder kreative) Taten helfen können, schwierige Zeiten zu überstehen, Gefühle auszudrücken und Kontrolle zurückzugewinnen. Nicht, um zu funktionieren – sondern um sich zu erinnern: Ich bin noch da. Und ich kann etwas tun.
✨ Folge 1: Wenn das Leben innehält
Manchmal ist es nicht das Leben, das uns antreibt, sondern das, was uns anhält. So war es bei mir. Vor einiger Zeit wurde mein Leben plötzlich stillgestellt. Brustkrebs – eine Diagnose, die alles verändert, oft unaussprechlich, immer überwältigend.
Im meinem geliebten, vertrauten Leben war plötzlich nur noch Panik, Angst, Orientierungslosigkeit. Wenn ich mich an die ersten Tage nach meiner Diagnose zurückerinnere, fehlen mir noch heute die Worte. Nach einer monströsen Panikattacke bin ich versteinert. Es war mir unmöglich auch nur irgend etwas zu tun. Und alle, die mich gut kennen, wissen, ich wusel immer herum, probiere Dinge aus, bin umtriebig. Aber nichts, kein einziger Handgriff hatte für mich noch einen Sinn.
Mein Freund hat mich dann an meine eigene Überzeugung erinnert - und dafür bin ich ihm sehr dankbar! Er meinte zu mir: steh auf und benutze deine Hände. Mach vielleicht einfach nur das Bett. Mehr musst du heute nicht tun. Und ich habe auf ihn gehört und bin aufgestanden und habe das Bett gemacht. Das ist keine "kreative" Tätigkeit im herkömmlichen Sinn, aber ich hatte für einen kurzen Augenblick meine Gedanken woanders. Und ich konnte mich danach auf ein frisch aufgeschütteltes, gemütliches Bett legen.
Natürlich hat diese kleine Tätigkeit nichts an meiner gesundheitlichen Situation verändert, und doch blieb da etwas, an dem ich mich festhalten konnte: das Tun. Das Machen. Das Gestalten.
Vom Machen des Bettes bis heute - fast ein Jahr später - war es ein langer Weg. Aber ich habe wieder gelernt Lebensfreude und Vertrauen zu spüren. Ich schmiede wieder Pläne und wusel durch den Tag. Und manchmal sind da Tage, an denen ich nur das Bett und etwas zu Essen mache. Das ist auch ok.
Nichts ist wie vorher.
Inmitten von Untersuchungen, Operationen, Therapien und Ängsten blieb mir jedenfalls oft nur eines: meine Hände.

Schritt für Schritt begann ich, mich wieder über mein Tun zu verankern. Ich war nicht "gegen den Krebs kreativ", aber ich habe mir kleine Räume zurückerobert. Räume für Farbe. Für Formen. Für ein bisschen Selbstwirksamkeit. Für ein „Ich bin da“.
Diese Kolumne ist meine Einladung an dich – ob du selbst betroffen bist, jemanden begleitest oder einfach wissen möchtest, wie Kreativität uns tragen kann, wenn das Leben holprig wird. Ich teile Gedanken, kreative Impulse, kleine Übungen – nicht als Rezepte, sondern als Ermutigungen. Es geht nicht um "stark sein", sondern um weiter sein. Um kleine Möglichkeiten inmitten der Schwere.
Jede Ausgabe wird ein Thema in den Mittelpunkt stellen: Wie wir Kraft finden, wie wir mit Veränderung umgehen, wie unsere Hände manchmal schneller wissen, was unsere Gedanken noch sortieren müssen.
Ich schreibe nicht, um zu erzählen, wie schlimm etwas war – sondern um zu zeigen, was trotz allem möglich ist. Dass wir uns Räume schaffen können, in denen die Hoffnung wohnt. Und dass Machen manchmal mehr heilt, als Worte es je könnten.
Liebe Grüße,
Sophie
P.S.: Wenn du selbst etwas erlebt hast, jemanden begleitest oder einfach etwas teilen möchtest – schreib mir gern an hello@supercraftlab.com. Ich freue mich über jede Geschichte und jede Stimme. 💛